
An diesem Samstag war es endlich soweit. Skifahren in den Anden! Am Donnerstag habe ich bei einem Treffen von Chile-Inside, die mir das Appartement vermittelt haben, Till kennen gelernt, der hier in Santiago lebt und mir anbot mit nach Valle Nevado zu kommen. Ich brauchte nicht lange überlegen und war aufgrund großer Vorfreude den kommenden Tag handlungsunfähig. Am Samstag um 7Uhr wandelte sich diese Vorfreude in echte Aufregung, denn ich saß im Auto auf dem Weg ins Skigebiet.
Valle Nevado ist etwa 1,5 Stunden von Santiago enfernt, wobei man für die Serpentinen mit den nummerierten Kurven (etwa 50) 1 Stunde braucht. In Gedanken sah ich mich schon mit grünem Gesicht und Schwindelgefühlen im Auto sitzen, aber dieses Kindheitstrauma wiederholte sich, Gott sei Dank, nicht.

So kamen wir, Hernan aus Santiago und seine locos alemanes: Tine, Grischa, Bojan und Till (v.l.n.r.) um 9Uhr an der Talstation an, liehen Skier und kauften Tickets, was insgesamt nicht viel günstiger war als in Europa, und machten uns auf die Bretter. Das Wetter war super, wolkenlos und später bis zu gefühlten 15°C. Der Schnee war durchgehend trocken und pulvrig, wenn auch etwas älter, und in Verbindung mit leeren Pisten und gutem Equipment, ließ das atemberaubende Abfahrten mit höchsten Geschwindigkeit zu. Das Grinsen war spätestens jetzt ein fester Bestandteil des Gesichtes und ließ trotz dünner Luft auf 3670m nicht nach.
Das Skigebiet ist insgesamt relativ groß, wenn auch nicht vergleichbar mit den europäischen

und bot ein paar "schwarze" Pisten. Die Liftanlagen beförderten uns sicher die Berge hinauf und so verausgabten wir uns bis um 16:30Uhr. Apres-Ski oder andere österreichische Spezilitäten suchte man vergebens, aber mit wackligen Beinen und dem guten Gefühl sich sportlich betätigt zu haben, konnte man da leicht drüber hinwegsehen. Zur Stärkung wurde dann in der ersten Pause des Tages die "Combo nr. 3" verschlungen: "Hamburguesa, Papas fritas y Cerveza" für etwa 11€. Die Preise des Ski-Zirkus richten sich an den Einkommen der Touristen und der reichen Chilenen aus.

Gesättigt und totalmente satisfecho traten wir um 18Uhr die Rückfahrt an. Ein herrlicher Skitag ging zu Ende und wurde gekrönt von einem herrlichen Sonnenuntergang, den wir auf der "Abfahrt" durch die Serpentinen genießen konnten.
Das hört sich stark nach einer Wiederholung an, die Liftanlagen laufen bis in den frühen Oktober. Generell ist das Wetter in Santiago allerdings jetzt schon frühlingshaft. Nachts kühlt es sich noch auf 2-3°C ab, aber jetzt wo der Regen der letzten Wochen gewichen ist und tagsüber die Sonne scheint, wird es bis zu 20°C warm. Das Projekt Ski und Meer an einem Tag scheint nicht unrealistisch.